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Teckbote: Die Knights machen?s halblang

22.01.2009 Kein Wochenende ohne Überraschungen. Die Basketball Pro A gleicht einer Wundertüte, aus der eine Mannschaft derzeit herausragt: Einen Platz im vorderen Tabellendrittel hätten dem Aufsteiger aus Kirchheim vor Saisonbeginn die wenigsten zugetraut. Mit einem Sieg am Sonntag gegen Essen könnte der Klassenerhalt unerwartet früh in trockenen Tüchern sein.

Kein Wochenende ohne Überraschungen. Die Basketball Pro A gleicht einer Wundertüte, aus der eine Mannschaft derzeit herausragt: Einen Platz im vorderen Tabellendrittel hätten dem Aufsteiger aus Kirchheim vor Saisonbeginn die wenigsten zugetraut. Mit einem Sieg am Sonntag gegen Essen könnte der Klassenerhalt unerwartet früh in trockenen Tüchern sein.

(BERND KÖBLE) Kirchheim
Helle Freude auf den Rängen und der Trainer schäumt. Ein Bild, das Kirchheimer Fans in dieser Saison schon häufiger vor Augen hatten. Wird seine Marschrichtung nicht befolgt, ist mit Frenkie Ignjatovic nicht gut Kirschen essen, ganz gleich, was auf der Anzeigetafel steht. Bei der 79:96-Niederlage im Testspiel am Dienstag gegen die Walter Tigers aus Tübingen platzte dem Chef schon nach wenigen Zeigerumdrehungen der Kragen. Zwei Fastbreaks des Erstligisten in Folge und mit der Harmonie am Spielfeldrand war es unüberhörbar vorbei. Dabei lagen die Knights dank überzeugender Wurfquote zu diesem Zeitpunkt verdient in Führung und gaben diese bis zur Halbzeitpause (45:42) auch nicht mehr ab. So lange brauchten Andersson und Co., um zu begreifen, dass es gegen den Außenseiter im Schongang keinen Blumentopf zu gewinnen gibt. Am Ende waren die Verhältnisse wieder zurecht gerückt. Die Tübinger schalteten einen Gang höher und spielten in der Defensive ihre ganze Cleverness aus. Und Ignjatovic? Der zeigte sich nach Spielende aufgeräumt wie selten. „Wir haben gezeigt, dass wir zumindest eine Halbzeit lang mithalten können“, war er mit sich und seiner Mannschaft zufrieden
Mithalten können die Knights inzwischen auch mit den Topteams der Pro A, und das ist die eigentliche Überraschung der Saison. Nach drei Niederlagen zu Beginn der Hinserie wurde der Aufsteiger bereits als sicherer Abstiegskandidat gehandelt. „Viele haben uns damals die Ligareife abgesprochen“, stellt Frenkie Ignjatovic fest. Zwischen den beiden Niederlagen gegen Jena zu Saison- und Rückrundenbeginn liegen vier Monate konstanter Entwicklung, auch wenn dies das blanke Ergebnis kaum auszudrücken vermag. Mit der Rückkehr der beiden verletzten Center Andi Hornig und Philipp Heyden ging zudem ein merklicher Ruck durch die Mannschaft. Sehr zur Freude des Trainers: „Die beiden pushen sich im Training ungemein.“ Der gesunde Konkurrenzkampf unterm Korb überträgt sich auch auf andere Teile der Mannschaft. Was im Aufstiegsjahr Kritikpunkt war, hat sich inzwischen zum Erfolgsrezept entwickelt: Aus einer Handvoll talentierter Einzelkämpfer ist ein Team geworden.
Eines, dem noch ganze zwei Punkte fehlen, um vorzeitig den Klassenerhalt feiern zu können. Mit einem Heimsieg am Sonntag gegen Essen wäre Saisonziel Nummer eins erreicht. Dagegen spricht die Negativbilanz gegen den Mitaufsteiger und die Tatsache, dass die Ruhrpott-Truppe ein äußerst unangenehmer Gegner ist. „Die spielen einen schnellen, strukturierten Basketball und eine äußerst flexible Verteidigung“, warnt Ignjatovic. Für einen Erfolg spricht das neue Selbstbewusstsein unter der Teck: „Wenn wir an die zweite Hälfte in Jena anknüpfen können“, meint der Trainer, „gehen wir als Sieger vom Feld.“ Zwei Punkte am Sonntag wären Gold wert, denn was danach folgt, ist eine Serie von Spielen gegen vermeintlich leichtere Gegner. Sieht man von den Auswärtsaufgaben in Weißenfels und Karlsruhe einmal ab, geht es bis zum Heimkampf am 22. März gegen Hagen ausschließlich gegen schlechter platzierte Mannschaften. Die Chance also, sich im oberen Tabellendrittel festzusetzen.
Das gibt selbst hartgesottenen Pessimisten ungewohnt frühe Planungssicherheit für die kommende Saison. Während die Knights-Verantwortlichen vergangenes Jahr noch bis zum letzten Spieltag warten mussten, ehe der Aufstieg feststand, will man diesmal rechtzeitig für klare Verhältnisse sorgen. Schon nach Ende der Wechselfrist am 28. Februar soll es die ersten Vertragsgespräche geben. Halten, was zu halten ist, lautet dabei die Devise.
Das beginnt beim Trainer, dessen Erfolge sich nicht nur in der Pro A herumgesprochen haben dürften. „Wir sind uns im Klaren, dass auch Vereine aus der ersten Liga bei ihm anklopfen werden“, sagt der Sportliche Leiter Michael Schmauder. Ignjatovic ist zwar alles andere als ein ¬Zocker-Typ, dennoch dürfte er sein Bleiben an klare Bedingungen knüpfen. Dass der zu Perfektionismus neigende Serbe seit jeher die schlechten Trainingsbedingungen in der Teckstadt kritisiert, ist kein Geheimnis. Jüngstes Beispiel: Weil das Essen-Spiel erst am Sonntag stattfindet, müssen die Knights auf das Abschlusstraining am Vortag verzichten. Grund sind wie immer fehlende Hallenzeiten. Ein Zustand, der in dieser Spielklasse seinesgleichen sucht. Stillstand bedeutet Rückschritt, so das Motto des 41-Jährigen. Er macht deutlich, dass er seine Arbeit in Kirchheim gerne fortsetzen würde – sofern die sportliche Perspektive stimmt.