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Teckbote: Wirtschaftswachstum als Diktat

22.01.2009 Die verschärften Kriterien bei der Lizenzvergabe drohen die zweite Basketball-Bundesliga Pro A zu spalten. Weil sich die halbe Liga außerstande sieht, den Forderungen nachzukommen, hat man sich nun auf einen Punktekatalog als Kompromiss geeinigt. Für kleinere Klubs werden die Sorgen dadurch nicht weniger.

Die verschärften Kriterien bei der Lizenzvergabe drohen die zweite Basketball-Bundesliga Pro A zu spalten. Weil sich die halbe Liga außerstande sieht, den Forderungen nachzukommen, hat man sich nun auf einen Punktekatalog als Kompromiss geeinigt. Für kleinere Klubs werden die Sorgen dadurch nicht weniger.

(BERND KÖBLE) Kirchheim.
Eifriges Punktesammeln ist in der zweiten Liga in den kommenden Wochen in doppelter Hinsicht eine Überlebensstrategie. Zum ersten Mal werden nicht Tabellenstand und Punktekonto allein über den Klassenverbleib entscheiden, sondern auch das Ranking nach einem zusätzlich festgelegten Punktekatalog. Wer sichergehen will, dass er für die kommende Saison eine Lizenz für die Pro A erhält, sollte über zweierlei verfügen: einen Mindestetat von 400 000 Euro und eine Hallenkapazität für mindestens 1 800 Zuschauer. Ab der Saison 2010/11 ist im Ligabetrieb zudem Parkettboden vorgeschrieben.
Darauf einigten sich die Verantwortlichen der ersten und zweiten Liga bereits vor zwei Jahren per Vertrag. Die einen reden von einem gemeinsamen Schritt in Richtung Zukunft, die anderen unter vorgehaltener Hand von Erpressung. Ganz freiwillig erfolgte die Annäherung tatsächlich nicht: Die BBL drohte damit, den bisherigen Modus mit zwei Direktaufsteigern aus der zweiten Liga zu kippen. Der Hintergrund der Auseinandersetzung: Die neu geschaffene Pro A soll näher ans Millionengeschäft BBL rücken (vorgeschriebener Mindestetat: 1,1 Millionen Euro). Der Haken an der Sache: Nur knapp die Hälfte aller Klubs in der Pro A sieht sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt in der Lage, die verschärften Forderungen zu erfüllen. Was also tun, will man die Sollstärke mit 16 Teams erhalten ohne die Schwächsten der Liga über Bord zu kippen?
Worauf sich in der Ligaversammlung am Wochenende in Mannheim die Vertreter der 32 Zweitligaklubs (Pro A und Pro B) einigten, ist ein Kompromiss, der den finanzschwächeren Vereinen zwar nicht alle Sorgen nimmt, aber zumindest eine Chance einräumt. Über die Lizenzvergabe soll in diesem Jahr zum ersten und wohl auch einzigen Mal ein Punktekonto entscheiden, das sich aus der vorhandenen Zuschauerkapazität, dem Etatvolumen und der sportlichen Platzierung errechnet. Eine Lizenz erhalten demnach nicht nur jene Klubs, die sämtliche Kriterien bereits erfüllen, sondern diejenigen 16 Teams (potenzielle Absteiger aus der BBL und Aufsteiger aus der Pro B eingerechnet), die den neuen Forderungen am nächsten kommen. Für Nicolas Grundmann, den Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft zweite Liga, ist die Punkteregelung die einzige Chance für schwächere Vereine, überhaupt an eine Lizenz zu kommen. Mit den höheren Standards wolle man auch jenen Vereinen Rechnung tragen, die nicht nur in einen starken Kader, sondern seit Jahren in eine taugliche Infrastruktur investierten.
Dass einer Reihe von Vereinen auch ohne die Auflagenverschärfung das Wasser finanziell bis zum Hals steht, weiß Karlheinz Sonntag, der Vorsitzende des Lizenz-Ligaauschusses der Pro A. Der Mann, der bis zum 1. Mai über alle Lizenzanträge zu entscheiden hat, spricht vom „schwierigsten Verfahren der vergangenen zehn Jahre.“
Auch in Kirchheim rüstet man sich für den entscheidenden Kampf am grünen Tisch, denn dass die Knights den Klassenerhalt auf sportlichem Weg verpassen könnten, daran glaubt zur Stunde niemand ernsthaft. Knights-Geschäftsführer Siegfried Meissner saß am Samstag in Mannheim in der Verhandlungsrunde mit am Tisch und zeigt sich erleichtert über die Einigung. Ohne sie, ist Meissner überzeugt, hätte sich das Überraschungsteam der Liga zum Saisonende wohl aus der Pro A verabschieden müssen. So bleibt nun Zeit bis zum Ende der Antragsfrist am 31. März, um in punkto Finanzen und Zuschauerplätze nachzubessern. Gespräche mit Sponsoren laufen auf Hochtouren, das Hauptaugenmerk gilt der Suche nach einem möglichen neuen Namensgeber.
Was die Hallenkapazität anbelangt, steht Meissner in Kontakt mit der Stadtverwaltung. Zwar ist eine Hallenerweiterung oder gar ein Neubau längst vom Tisch, doch sieht er gute Chancen, auch hier Boden gut zu machen. Brandschutz heißt die Zauberformel. Zusätzliche Notausgänge, die zum Teil bereits vorhanden sind, könnten die erlaubte Zuschauerzahl nach oben schrauben – zumindest auf dem Papier. 600 Plätze fehlen in der Sporthalle Stadtmitte zu den geforderten 1 800. „400 wären auf diese Weise locker drin“, glaubt Meissner, „Alles was es bräuchte, ist ein bisschen guter Wille.“ Auf den hofft er nun im Baurechtsamt der Stadtverwaltung. Würde man sich einig, sieht er gute Chancen auf eine Lizenzerteilung fürs nächste Jahr, schließlich hat der überwiegende Teil der Konkurrenz ähnliche Probleme. Deshalb will Meissner auch nicht an die „ultima ratio“ denken: Ein Umzug in eine größere Halle in der Region wäre mit großen Risiken verbunden. Schon deshalb, weil man damit ein Stück Identität preisgeben würde.